The Long Vowel
02tsundoku · Japanisch積ん読

FolgenStaffel 1 · Drinnen

Folge 22:05

Tsundoku: der Stapel Bücher, die du lesen willst

Kosuke Nakabori verkauft gebrauchte Bücher in Tokio. Tsundoku: gekaufte Bücher, die sich stapeln – eine Liste voller Hoffnungen.

0:00 / 2:05Das Wort

Mit Kosuke Nakabori · Antiquar für gebrauchte Bücher, Tokio

Diese Folge ist auf Englisch; die Seite wurde übersetzt.

Shownotes

tsundoku schreibt man 積ん読: stapeln, ein kleines ん und lesen. Das Wort entstand als Wortspiel mit tsunde oku, etwas aufzuschichten und dort liegen zu lassen – und hat den Scherz längst überlebt.

Kosuke Nakabori kauft ganze Türme ungelesener Bücher zurück, wenn ihre Besitzer umziehen – manchmal steckt noch der Kassenbon auf Seite zwölf. Traurig findet er das nicht.

In dieser Folge

  • Das Wortspiel im Wort
  • Was ein Buchhändler von einem Bücherstapel lernt
  • Schuldgefühle, Gewohnheit und ein Name dafür

Transkript

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  1. 0:00

    TeodorHier ist The Long Vowel. Ich bin Teodor Halvorsen.

  2. 0:04

    OdileIch bin Odile Marchetti, und ich muss etwas gestehen, das gut zum heutigen Wort passt.

  3. 0:09

    TeodorUnser Gast ist Kosuke Nakabori. Er verkauft gebrauchte Bücher in Jinbocho, Tokios Buchviertel. Kosuke, wie lautet das Wort?

  4. 0:18

    KosukeTsundoku. Es wird mit drei Zeichen geschrieben: aufstapeln, ein kleines n und lesen.

  5. 0:24

    OdileAlso: lesen, indem man Bücher stapelt.

  6. 0:26

    KosukeGenau. Man kauft Bücher und lässt sie ungelesen liegen, bis sie sich stapeln. Nicht nur eins. Einen ganzen Turm.

  7. 0:34

    TeodorIst das ein ernst gemeintes Wort?

  8. 0:37

    KosukeEs fing als Scherz an. Es gibt die Wendung tsunde oku: etwas aufstapeln und dort liegen lassen. Jemand hat den letzten Teil durch doku, „lesen“, ersetzt. Es klingt fast genauso. So wurde aus einem Wortspiel ein echtes Wort.

  9. 0:52

    OdileWie alt ist der Scherz?

  10. 0:54

    KosukeÜber hundert Jahre alt. Er geht auf die Meiji-Zeit zurück. Die Leute haben schon immer mehr Bücher gekauft, als sie lesen konnten.

  11. 1:02

    TeodorDu verkaufst die Bücher. Ist tsundoku gut für dich?

  12. 1:06

    KosukeSehr gut. Aber ich kaufe auch die Bücherstapel wieder zurück. Wenn jemand umzieht, bekomme ich einen Anruf. Vierzig Bücher, die Buchrücken noch ganz steif. In manchen steckt der Kassenbon als Lesezeichen – auf Seite zwölf.

  13. 1:20

    OdileDas tut weh.

  14. 1:21

    KosukeIch finde, es ist nicht traurig. Jedes Buch war ein Vorhaben. Jemand dachte: Eines Tages werde ich der Mensch sein, der das hier liest. Der Stapel ist eine Liste voller Hoffnungen.

  15. 1:32

    TeodorHaben die Leute in Japan deswegen ein schlechtes Gewissen?

  16. 1:36

    KosukeEin bisschen. Aber das Wort hilft. Wenn es einen Namen dafür gibt, ist es eine Angewohnheit und kein Versagen. Meine Kunden sagen: „Ich mache tsundoku“, und lachen.

  17. 1:46

    OdileMein Stapel steht neben dem Bett. Elf Bücher.

  18. 1:50

    KosukeDas ist ein kleiner tsundoku. Komm doch nach Jinbocho; das können wir ändern.

  19. 1:55

    TeodorKosuke Nakabori, vielen Dank.

  20. 1:57

    OdileDas war tsundoku. Nächstes Mal geht es um ein arabisches Wort, das es nur mit Musik gibt.

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